Sicher Absitzen

Rückwärts, immer – mit 3-Punkte-Halt!

Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen beim Absitzen vom Feuerwehrfahrzeug. Die Feuerwehr-Unfallkassen FUK Mitte, HFUK Nord und FUK Brandenburg wollen dem Unfallgeschehen jetzt mit einer gezielten Aktion entgegentreten. Dafür wurden ein Videoclip, Sticker für die Fahrzeugtüren sowie weitere Materialien produziert. 

Unfallschwerpunkt Absitzen

Genau so oder so ähnlich hat sich die Geschichte wohl zugetragen, die unser neuer Videoclip zeigt, mit dem wir, die Feuerwehr-Unfallkassen FUK Mitte, HFUK Nord und FUK Brandenburg unsere Unfallverhütungsaktion „Sicher absitzen“ starten. Denn, ganz gleich ob  die Feuerwehr mit modernsten Fahrzeugen fährt oder mit Oldtimern unterwegs ist, bleibt das Absitzen vom Feuerwehrfahrzeug immer noch ein Unfallschwerpunkt. Dabei hat es in der Vergangenheit zum Teil schwerste Verletzungen gegeben.

Aus diesem Grund haben die Feuerwehr-Unfallkassen das Thema wieder aufleben lassen und in einem viralen Videoclip verarbeitet. Zudem gibt es Sticker für die Fahrzeugtüren und weitere Materialien. Mit der Aktion wollen wir die Feuerwehren dafür sensibilisieren, mehr auf das sichere Absitzen zu achten.

Warum verunfallen Feuerwehrangehörige beim Absitzen?

Bei den Ursachen eingetretener Unfälle haben sich folgende Schwerpunkte gezeigt:

  • Vorwärts abgesessen, vom Fahrzeug abgesprungen
  • Fehlende oder nicht optimal angeordnete Ein- bzw. Ausstiegshilfen
  • Unsichere Trittflächen der Ein- bzw. Ausstiege hinsichtlich der Beschaffenheit des Belags, dessen Anordnung, der Größe und der Steighöhen
  • Unebenheiten am Boden wie z.B. Bordsteinkanten
  • Glätte
  • Schlechte Sicht, Dunkelheit
  • Beim vorwärts Absitzen mit Pressluftatmer (PA) oder Feuerwehrleine am Fahrzeug hängen geblieben
  •  Klemmgefahr durch zufallende oder unachtsam geschlossene Türen
  • Unkonzentriertheit, Hektik, gebotene Eile
  • Störungen beim Absitzen durch Schubsen oder Schieben

Natürlich ist bei Einsätzen oft Eile geboten – doch die eigene Sicherheit geht ganz klar vor! Oft sind zu Beginn eines Einsatzes nicht genug Feuerwehrangehörige vor Ort, oft fehlt eine ausreichende Anzahl an Atemschutzgeräteträgern. Wenn jetzt auch noch verfügbare Einsatzkräfte oder Führungskräfte verunfallen, bevor sie tätig werden können, dann ist der Einsatzerfolg gefährdet. Unfälle beim Absitzen ereignen sich jedoch nicht nur im Rahmen von Einsätzen. Selbst wenn keine Eile geboten ist, passiert es. Die Gefahren beim Absitzen werden oft unterschätzt.

Zudem gibt es weitere Faktoren, die die Unfallgefahr beim Absitzen allgemein erhöhen:

  • Je neuer, desto höher: Bauartbedingt werden Feuerwehrfahrzeuge immer höher. Um in die Mannschaftskabinen zugelangen, müssen mehrere Stufen erklommen werden. Durch die Abgasreinigungstechnik sind die Trittstufen häufig mit geringer Tiefe versehen, was den Halt der Füße erschwert. Das sichere Auf- und Absteigen ist nur rückwärts möglich!
  • Auch die Feuerwehren haben mit dem demografischen Wandel zu kämpfen. Wenn der Altersdurchschnitt in den Wehren steigt, gibt es auch Auswirkungen auf die körperlichen Fähigkeiten der Feuerwehrangehörigen. Auch das Auf- und Absteigen fällt dann bei hohen Fahrzeugkabinen schwerer.      

Gibt Sicherheit: 3-Punkte-Halt

Wie lassen sich Unfälle beim Absitzen vermeiden? Die Kernbotschaften unserer Aktion „Sicher Absitzen“ lauten wie folgt:

  • Das Feuerwehrfahrzeug wird immer rückwärts unter Nutzung der vorhandenen Haltegriffe und Trittstufen verlassen.
  • Ein sicheres Auf- und Absitzen ist dann möglich, wenn der Feuerwehrangehörige sich mit Händen und Füßen an drei Punkten gleichzeitig festhalten und abstützen kann. An drei Punkten gleichzeitig haben Hände und Füße dabei Kontakt zu den Haltegriffen bzw. Trittstufen – der sogenannte 3-Punkte-Halt, wie er auch im Videoclip und auf den Stickern thematisiert wird.
  • In Feuerwehrfahrzeugen mit mehrstufigen Auftritten müssen Haltegriffe und Haltestangen so angeordnet sein, dass sich eine Person jeweils gleichzeitig an drei Punkten abstützen bzw. festhalten kann.
  • Um die Gefährdung beim Ein- und Aussteigen bei Stufenzugängen in den Mannschaftsraum mit Atemschutzgeräten zu reduzieren, muss bei Fahrzeugen der Kategorien 2 und 3 (geländefähige bzw. geländegängige Fahrzeuge) sowie der Kategorie 1 (nur straßenfähig) ab der Massenklasse MII (neun bis 14 Tonnen Gesamtmasse) der horizontale Abstand zwischen den Vorderkanten zweier aufeinanderfolgender Stufen mehr als 150 mm betragen.
  • Beim Absitzen keine Hektik aufkommen lassen.
  • Ist das Gelände in der Dunkelheit nicht einsehbar, sollte der Bereich vor den Türen, wenn möglich, vor dem Absitzen ausgeleuchtet werden (wenn vorhanden als erstes Umfeldbeleuchtung einschalten).
  • Gegenseitige Hilfe ist erwünscht, in dem z.B. durch bereits abgesessene Feuerwehrangehörige die Türen aufgehalten werden und auf mögliche Unebenheiten (Steine, Löcher oder Schläuche) hingewiesen wird.

Das Absitzen bei fließendem Verkehr muss generell auf der dem Verkehr abgewandten Seite erfolgen! Zudem muss der Maschinist darauf achten, dass er das Fahrzeug nicht längs an einem Graben oder Abhang parkt, bzw. Gruppenführer und die Mannschaft in einem solchen Fall entsprechend warnt.

Poster, Sticker, Videoclip und Stichpunkt Sicherheit

Ergänzend zum Poster, Sticker und Film gibt es den „Stichpunkt Sicherheit“ zu dem Thema Auf- und Absetzen vom Feuerwehrfahrzeug.

Wir möchten mit unserer neuen Unfallverhütungsaktion zum Schutz vor Verletzungen beim Absitzen beitragen und hoffen auf eine vielfältige Resonanz in den Feuerwehren und Jugendfeuerwehren.